14.06.2026
Gekillt, bevor es startet? Wie die Energielobby das Energy Sharing unbrauchbar macht

Energy Sharing soll im Juni 2026 starten: Nachbarn teilen Solarstrom. Doch interne Lobby-Pläne drohen, das Konzept bürokratisch auszubremsen.
Die Idee klingt perfekt: Du produzierst mit deiner PV-Anlage sauberen Solarstrom und verkaufst den überschüssigen Teil direkt an deinen Nachbarn – zu einem Preis, den ihr fair untereinander aushandelt. Der Strom wird genau dort verbraucht, wo er entsteht. Das entlastet die lokalen Netze und bindet Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Energiewende ein. Laut Gesetz soll dieses sogenannte Energy Sharing in Deutschland am 1. Juni 2026 starten. Doch die Realität hinter den Kulissen sieht düster aus.
Interne Unterlagen der Energielobby (eine Roadmap des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, BDEW) zeigen deutlich, dass die dezentrale Energiewende von unten gezielt ausgebremst wird. Man verbietet das Energy Sharing zwar nicht – man gestaltet es nur so unattraktiv und kompliziert, dass es am Ende kaum jemand nutzen will.
Die drei großen Haken der aktuellen Umsetzung
Wer tiefer in die Pläne der Netzbetreiber und Lobbyverbände einsteigt, stößt auf drei massive Hürden, die das gesamte Konzept im Keim ersticken:
Haken 1: Der verschleppte Zeitplan
Obwohl der gesetzliche Startschuss auf Mitte 2026 fällt, zeigt die interne Branchen-Roadmap, dass die flächendeckende, digitale IT-Infrastruktur für eine automatisierte und massentaugliche Abwicklung erst für Oktober 2027 geplant ist. Bis dahin bleibt die Umsetzung bei den über 880 Verteilnetzbetreibern in Deutschland unklar, unstrukturiert und für den Verbraucher kaum zugänglich.
Haken 2: Der Ausschluss der besten Anwendungsfälle
Besonders absurd wird es bei den erlaubten Modellen. Laut den vorliegenden Papieren sind die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung, klassischer Mieterstrom sowie bestehende Quartierslösungen komplett vom Energy Sharing ausgeschlossen. Noch schlimmer: Der Strom darf laut BDEW-Vorschlag nur aus einer einzigen Erzeugungsanlage stammen. Ein lokaler Verbund – etwa Solarstrom vom Schuldach am Tag und Windstrom vom Bürgerwindrad am Abend – wird damit unmöglich gemacht. Auch Speicher, E-Autos und Wärmepumpen fliegen als steuerbare, netzdienliche Komponenten weitgehend raus.
Haken 3: Die volle Kostenfalle
Selbst wenn der Strom nachweislich nur durch das lokale Niederspannungsnetz zum Nachbarn fließt und die übergeordneten Übertragungsnetze kein Stück belastet, fallen darauf die vollen Netzentgelte, Steuern und Abgaben an. Wenn du deinem Nachbarn den Strom also für günstige 10 Cent überlassen möchtest, treiben die staatlichen und netzseitigen Gebühren den Endpreis so weit nach oben, dass jeglicher wirtschaftliche Anreiz verloren geht.
Das drohende Szenario: „Man erlaubt eine Version, die einfach niemand haben will. Wenn es dann in ein, zwei Jahren kaum jemand nutzt, wird die Politik behaupten: Seht ihr, die Bürger wollten es nicht. Dabei ist nicht das Energy Sharing gescheitert, sondern die bürokratische Version davon."
Gibt es einen digitalen Ausweg?
Es gibt jedoch Akteure, die versuchen, das Konzept privat zu retten. Software-Startups entwickeln derzeit digitale „Betriebssysteme", die eine präzise Energiemengen-Zuordnung über Standardschnittstellen sofort ermöglichen würden – ganz ohne auf die träge IT-Infrastruktur der Netzbetreiber zu warten. Allerdings ist die Kooperation für die Netzbetreiber in solchen Pilotprojekten bisher absolut freiwillig, was den flächendeckenden Rollout spürbar erschwert.
Unser Fazit
Das Energy Sharing könnte der entscheidende Katalysator für die Energiewende von unten sein. Doch der aktuelle Entwurf schrumpft die große Vision zu einer kleinstmöglichen, rein bürokratischen Version zusammen. Hier ist die Politik – und insbesondere die Bundesnetzagentur – gefordert, echte lokale Netzentlastung endlich durch reduzierte Netzentgelte zu belohnen, anstatt lokale Initiativen im Keim zu ersticken.
Quelle und Inspiration: Das diesem Beitrag zugrundeliegende Datenmaterial sowie die zentralen Argumente stammen aus den Recherchen und dem Enthüllungsvideo von Andreas Schmitz (Der Akku Doktor): „Geleakt: So sieht LOBBY Arbeit aus! Energiewende von unten? Gekillt! UND KEINE SAU MERKTS!"


